Frank Carillo And The Bandoleros - "Someday"

Written by:  Mareike Lütge

March 29, 2008
Der gute Mann hat einen langen Weg hinter sich. 7nbsp;Die Schuhe staubig, die Stimme rauchig, das Hemd ein wenig zerknittert, die Fingerspitzen verhornt vor lauter Gitarre spielen. 7nbsp;Fast genau dreißig Jahre ist es her, dass er sein erstes Album auf den Markt brachte, nach 26 Jahren in der medialen Versenkung kam 2005 sein Comebackalbum "Bad Out There" raus und nun ist die insgesamt vierte Platte da, "Someday" heißt sie, und wenn man mich fragen würde wann ich sie wieder auf den Plattenteller lege, wäre auch genau das meine Antwort.
Stilistisch bewegt sich der Musiker zweifelsohne auf hohem Niveau, seine Gitarren sind High End und man kann wohl sagen er beherrscht sein Handwerk. Doch Technik ist nicht alles, das wird schnell deutlich.  14 Tracks umfasst die uninspiriert scheinende Platte, eine zahme Mischung aus countryesken Balladen und Midtempo Bluesrockstücken.  Das Ganze ist eingängig, die Melodien klassisch, das Schlagzeug solide, und da haben wir wohl auch schon das Problem.  Das Album ist furchtbar harmonisch, Frank Carillo ist unspektakulär eins mit sich, kein Verstellen, keine Posen, kein Risiko, keine Abenteuer.  Die Weisheit der jahrelangen Erfahrung legt sich wie eine milchige Käseglocke auf die Kompositionen, keine Ecken, keine Kanten, schnörkellos könnte man es nennen, langweilig auch, wenn man will.
Die Stücke passieren größtenteils die Fünfminutenmarke, manchmal scheint aber noch deutlich mehr Zeit zu vergehen, bis sie ihren finalen Akkord endlich erreichen.  Dieses zugegeben vielleicht auch sehr subjektiv empfundene Zeitdehnungsphänomen kommt wohl hauptsächlich daher, dass der Komponist auch mal nicht mehr als fünf Zeilen Text als Füllung für die 5 Minuten zur Verfügung stellt und diese mantraartig repetiert. Ob das in diesem Rahmen funktioniert, darüber lässt sich streiten.  Spannend wird es zwischendrin aber auch mal, für die in der Instrumentenkunde weniger bewanderten Konsumenten gibt es eine Parade von selten gehörten oder unbekannten Nuancen der verschiedensten Saiteninstrumenten zu bewundern.  Im Song "Lucky If You Can Breathe)" weiß sich so zum Beispiel eine Bariton-Gitarre Beachtung zu verschaffen., in anderen Tracks kommen Kontrabass, Mandoline und Hawaii-Gitarre zum Einsatz.
Die, aus denen sich das Publikum von Carillo rekrutiert, werden wohl größtenteils mittvierzigjährige Hobbymusiker sein, die es zu schätzen wissen, dass man im CD-Booklet Informationen darüber erhält, welche Gitarrensaiten verwendet wurden und die, die offen sind für solide gespielten amerikanischen Bluesrock.  Die passende Kulisse ist irgendwo im riesigen Nirgendwo Amerikas Weiten, eine kleine Bar an einem Highway, wo nicht viele Leute vorbeikommen und die, die es tun Kassetten von Bon Jovi, Bryan Adams und Bruce Springsteen in ihrem Pickup liegen haben.  Für solch gepolte Musikliebhaber ist Frank Carillo genau richtig.


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