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PRÄSENTIERT:
17.01.06, HALLE (Saale), Objekt 5 18.01.06,
ERFURT, Museumskeller 19.01.06, LANGENAU (Ulm), Cafe
Kapilio 20.01.06, WESEL, JZ Karo 21.01.06,
LAUCHHAMMER, Real Music (Blue Sky) 24.01.06, AMSTERDAM,
Holland - National Radio Show - Desmet 747 Live 24.01.06, LEIDEN,
Holland, Q-Bus (evening show) 25.01.06, OLDENZAAL, Holland,
Cobblestone Club 26.01.06, AMSTERDAM, Holland - Maloe Melo

Frank Carillo (55), Musiker vom alten Schlage und Meister
seines Fachs, veröffentlichte vergangenen Sommer sein hervorragendes
Soloalbum "Bad Out There" und beeindruckte einen Teil unserer
Roots-Rock-affinen Redaktion derart, dass sich das HoR nun geehrt
fühlt, gemeinsam mit Encore Booking,
die im Januar beginnende Deutschland-Tour Carillos zu
präsentieren. Um Euch diesen in Deutschland leider nicht allzu
bekannten Musiker ein wenig näher zu bringen, unterhielten sich die
Kollegen Stierlen und Ipach ein wenig per e-mail mit dem
fantastischen Sänger und Gitarristen aus Amerika.
Home of Rock: Hi Frank, schön mit dir zu reden... lass uns
zunächst einmal über Deine musikalische Vergangenheit plaudern.
Hattest Du schon als Teenager die klare Zielsetzung professioneller
Musiker zu werden? Oder dachtest Du auch daran einen anderen Job zu
ergreifen? Frank Carillo: Nein, ich hab niemals einen
anderen Job in Erwägung gezogen. Ich wusste schon sehr früh ganz
genau, was ich werden wollte; deshalb komnnte ich es auch kaum
erwarten, die Schule hinter mich zu bringen.
HoR: Du bist nun seit über 30 Jahren im Business. Hast Du
es jemals bereut Profimusiker geworden zu sein? Hast Du jemals
gedacht "Heilige Scheisse, ich hab die Schnauze voll von diesem
Leben." F.C.: Bereut habe ich es nie Profi zu sein,
obwohl ich zu manchen Gelegenheiten schon die Schnauze voll hatte.
Es ist eben leider der geschäftliche Teil des Business, der manchmal
doch sehr ermüdend ist. Ich hatte wirklich einige Hochs und Tiefs,
doch die Höhepunkte haben die Tiefschläge immer ausgeglichen.
HoR: Du hast in deiner 30-jährigen Geschichte immer einige
mehr oder weniger große Lücken gehabt, hast während der Jahrzehnte
nicht übermässig viele Plattenveröffentlichungen gehabt. Was hast Du
denn in der Zwischenzeit gemacht, mal abgesehen von den Projekten
mit GOLDEN EARRING, Anouk und GOLDEN CARILLO?
F.C.: Ich hab immer Songs geschrieben, habe ein paar
Künstler produziert und Session-Arbeit im Studio erledigt. Ich hab
es geschafft, mit einigen Abstrichen, mit beiden Beinen im Business
zu bleiben. Es war mir stets wichtig Musik zu machen, egal ob für
mich selbst oder für andere Künstler.
HoR: Du hast mit einer Menge großartiger Musiker
gearbeitet. Welche davon war die beeindruckendste Kooperation und
mit wem würdest Du gerne mal zusammenarbeiten, wenn Du die freie
Wahl hättest? F.C.: Die Zusammenarbeit mit Peter Frampton auf seinen ersten beiden Platten war
schon großartig, insbesondere die Sessions mit Ringo (Starr) und
Billy Preston. Mit den Jungs von GOLDEN EARRING arbeite ich auch
immer wieder gerne zusammen. John Hammond war auch toll. Ich würde wohl gerne
mal mit John Hiatt, mit Paul Weller oder auch mit Lucinda Williams
zusammenarbeiten. Chris Rea wäre auch nicht schlecht... Und mit David
Hidalgo von den LOS LOBOS würde ich liebend gern mal ein paar Songs
schreiben.
HoR: Hast Du neben der Musik noch andere Interessen? Wie
verbringst Du deine Freizeit? F.C.: Die meiste Teit
verbringe ich wohl mit meiner Familie. Außerdem les ich ein wenig
und schreibe eigentlich ständig an irgendwelchen Songs. Und ich
liebe indische Musik, da beschäftige ich mich derzeit mit dem
fantastischen Sitar- und Tablaspieler Kinnar Seen.
HoR: Was inspiriert Dich bei und während des Songwritings?
F.C.: Ach, eigentlich alles. Aktuelle Geschehnisse, meine
Frau oder auch wenn ich anderen Musikern zuhöre. Wenn ich mal ein
wenig faul umhertrotte, leg ich mir eine meiner Lieblings-CDs auf
und fühl mich meistens so angetörnt, dass ich selbst zur Gitarre
greife und mir irgendwas ausdenke.
HoR: Du warst früher schon mal in Deutschland. Hast Du
gute oder schlechte Erinnerungen bezüglich unserer Kultur, unserer
Landschaft, unseres Essens oder Ähnliches? F.C.: Ich hab
großartige Erinnerungen an Deutschland. Ich hab mal in Frankfurt was
abgemischt und mit den Sound-Engineers (die beiden Tommys) in ein
paar Kneipen rumgelungert. Außerdem hab ich schon in
unterschiedlichen Städten gespielt und fand das Publikum imnmer
recht aufgeschlossen. Ja, und Eure deutsche Küche mag ich auch
ziemlich gern... eigentlich nur gute Eindrücke. Ein durch und durch
schönes Land... die Städte haben eine immense Geschichte und die
Landschaften sind sehr beeindruckend.
HoR: Was machst Du zwischen den Gigs, wenn Du auf Tour
bist? Entspannen, Sightseeing, alte Kumples treffen oder neue Leute
kennenlernen? Welche Musik bevorzugst Du, wenn Du mit dem Bus von
einer Stadt zur nächsten unterwegs bist? F.C.: Alles von
dem oben genannten. Was die Musik angeht, kann es alles von GREEN DAY bis Tom Waits bis Ravi Shankar sein. Es
hängt davon ab, wer als erster den CD-Player in die Finger bekommt.
HoR: Da Du schon ewig im Business tätig bist, wie würdest
Du das Musikgeschäft im Gegensatz zu früher beschreiben?
F.C.: Die Musiker heutzutage tun mir schon ein wenig
Leid. Es gibt nicht mehr so viele Clubs, um dort zu spielen, um dein
Handwerk von der Pike auf zu lernen. Die grossen Plattenfimen sind
nicht mehr so risikobereit und kaum daran interessiert langfristige
Karrieren zu fördern. Die Indie-Labels sind diejenigen, die die
Augen aufsperren und das Business am Leben halten. Und was jetzt
grad mit dem Internet so abgeht, tja, das ist wie der Wilde Westen.
Die große Freiheit. Alles ändert sich ständig und du kannst dich
nicht auf Altbewährtem ausruhen. Du musst die Augen aufhalten und
Ausschau halten.
HoR: Man sagt eurem U.S.-Publikum nach, es sei nicht so
arg an handgemachter roots-orientierter Rockmusik interessiert. Es
gibt in Europa scheinbar ein grösseres und loyaleres Publikum für
diese Art von Musik. Wie denkst Du darüber? F.C.: Das
europäische Publikum scheint wirklich mehr Respekt vor Roots-Musik
zu haben. Sie verehren die älteren Künstler und sind trotzdem offen
für neue Bands. Das ist für mich eine gesunde Haltung. Aber ich
schätze mich glücklich, dass das Echo auf "Bad Out There" zuhause
auch ziemlich großartig ist. Wir sind vom Radio akzeptiert worden
und werden im neuen Jahr auch die Staaten bereisen. Ich hab da ein
ganz gutes Gefühl. Die Major-Companies vergessen offenbar immer,
dass ein nicht kleiner Teil des Publikums gar nicht an Top 40-Musik
interessiert ist. Aber das Publikum findet seine Musik immer auf die
eine oder andere Art und Weise. In dieser Hinsicht ist das Internet
extrem hilfreich.
HoR: Lass uns mal über Deine neue Platte sprechen. Wie
haben sich die Produktionsanteile zwischen Dir und deinem
Co-Producer Paul Orofino aufgeteilt? F.C.: Paul und ich
arbeiten schon seit Jahren zusammen. Es war alles total einfach, es
gab überhaupt keine Spannungen. Genau so, wie ich es mag. I don't
like drama. Paul ist ein absolut brillanter Produzent/Engineer.
Ich wusste was ich wollte und Paul hat die gleiche Wellenlänge... so
haben wir uns die Ideen zugespielt und was sich am besten anhörte,
haben wir genommen. Außerdem hatten wir noch einen hochtalentierten
jungen Sound-Engineer namens Chris Cubeta mit dabei. HoR:
Was war Dir am wichtigsten während der "Bad Out There"-Produktion?
Welcher Sound schwebte Dir vor? F.C.: Ich wollte einen
vollmundigen, warmen Sound mit dieser gewissen musikalischen
Spannung. Aber während du aufnimmst verselbständigen sich die Sachen
oftmals und wenn's dann irgendwie passt und gut klingt, versucht man
diesen Faden weiterzuspinnen. HoR: Wie hast Du das Album
aufgenommen? Habt ihr die Basic Tracks 'live in the studio'
aufgenommen oder gab's eine Menge Overdubs? F.C.: Wir
hatten alles in einem Raum aufgebaut. Chris Cubeta spielte ein wenig
Piano und Gitarre während wir die Basic Tracks aufnahmen. Ungefähr
die Hälfte aller Vocals sind 'live' eingesungen. Allzu viele
Overdubs gab es nicht. Ein paar Gitarren und ein paar Gesänge und
das gelegentliche Keyboard. If you don't z.B. wurde
aufgenommen, als ich Piano spielte und sang. Ich dachte, es sei ein
Probelauf, aber Paul hatte es aufgenommen. Hey, und es passte alles,
das war's. Menschen, die miteinander Musik machen... was für ein
grandioses Konzept. HoR: Waren Deine Songs schon komplett
ausgearbeitet oder habt ihr im Studio noch die eine oder andere
Jam-Session gestartet? F.C.: Die Songs waren soweit schon
komponiert. Ich hab sie den Jungs vorgespielt und wir haben sie dann
gemeinsam ausgearbeitet. Am liebsten mag ich es, wenn die Kumpels
mit mir gemeinsam an den Songs arbeiten. Da sie alle so gut sind,
entsteht dadurch immer wieder mal die eine oder andere neue
Dimension.
HoR: Es gibt auf dem Album einen ganzen Haufen
elektrischer und akustischer Gitarren, alles sehr vollmundig. Ich
stell es mir ganz schön schwierig vor, dies alles auf der Bühne
umzusetzen. Was ist denn z.B. mit den Piano-Stücken? Wirst Du diese
Songs live in einem völlig anderen Arrangement präsentieren?
F.C.: Einige Songs haben schon ein verändertes
Arrangement, aber nicht sehr extrem. Mein Bruder Andrew spielt ja
jetzt mit uns, deshalb verfügen wir für die Tour über eine weitere
Gitarrre. Der Sound wird ziemlich fett. Er passt absolut gut auf die
Bühne. HoR: Wie wird Euer Live-Set-Up aussehen?
F.C.: Schlagzeug, Contrabass (bei einigen Stücken
elektrischer Bass), Percussion und zwei Gitarren. Elektrische und
akustische und elektrische Dobro. Na, und Gesang
natürlich. HoR: Was werdet Ihr außer den "Bad Out
There"-Songs noch spielen? F.C.: Ein, zwei Songs von
meinen älteren Alben und ein paar Songs aus meiner Jugendzeit.
Sachen die mich damals schon anmachten. Und möglicherweise auch die
eine oder andere Überraschung.
HoR: Wie sehen Deine Zukunftspläne aus? Wird es ein
weiteres 'Bandoleros'-Album geben? F.C.: Aber klar doch.
Ich hab 'ne Menge geschrieben, so ungefähr 20 Songs schon wieder.
Ich komponiere noch ein paar Sachen und dann suchen wir das Beste
für die neue Platte heraus.
HoR: Hast Du unseren Lesern abschließend noch etwas zu
sagen? F.C.: Bleibt am Ball, Leute. Hört Musik. Bleibt
offen für alles. Es gibt 'ne Menge grandioser Musik da draussen.
Manchmal muss man ein bisschen sieben, um die Diamanten
herauszupicken, aber es lohnt sich. Vielen Dank für eure
Aufmerksamkeit. Thanks for talking to me, folks.
HoR: Frank, wir danken für Deine Geduld und wünschen Dir
alles Gute für die anstehende Deutschland-Tour. Man sieht sich...
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