Frank Carillo And The Bandoleros - "Someday"



Written by:  Fred Schmidtlein on April 5, 2008
Da ist er wieder, der nicht mehr ganz junge Roots-Rocker mit den Songs, die seine steinreichen Kollegen gerne selbst geschrieben hätten.  Frank Carillo und die BANDOLEROS haben nach dem überwältigenden Debut "Bad Out There" aus dem Jahr 2004 die zweite CD fertig gestellt - und sollten nun endlich die so riesige wie einseitig geprägte Boss-Gefolgschaft auf sich aufmerksam machen.
Wenn man Musik und Texte auf "Someday" verfolgt, drängt sich ein wenig der Eindruck auf, dass Carillo selbst nicht mehr an den ganz großen Erfolg glaubt, andererseits scheint er mit seiner Nische ganz zufrieden zu sein, schließlich kann er sagen und tun was er will, ohne sich verbiegen und ständig auf Verkaufszahlen schielen zu müssen.  Die einschlägigen Insiderkreise kennen und schätzen ihn ohnehin.
Über "Someday" kann man konstatieren, dass es kein solches "Referenzwerk" wie "Bad Out There" geworden ist, was aber keinesfalls an schlechterer Qualität liegt, sondern nur der etwas nachdenklicheren, vielleicht pessimistischeren Grundstimmung zuzuschreiben ist.  Wunderschöne Lieder über Glass Heroes laden nun mal nicht zur Party ein, erzeugen und transportieren dafür aber Emotionen. Songwriterisch und musikalisch bewegen sich Carillo und die Ganoven nach wie vor auf allerhöchstem Niveau und werden bei fünf Songs kongenial von Augie Meyers (u. a. SIR DOUGLAS QUINTET und TEXAS TORNADOS) an der Hammond bzw. am Piano unterstützt.  Neu hinzugekommen ist Franks Bruder Andrew an der Gitarre, ansonsten sind die BANDOLEROS unverändert, was sich im extrem tighten Zusammenspiel bemerkbar macht. Selten ist man von der absoluten Echtheit einer Studioaufnahme so überzeugt;  hier wurde nicht mit doppeltem Boden gearbeitet. Besonderes Augenmerk sollte man auf Karl Allweier am Bass richten.  Der spielt durchgängig einen Kontrabass und verblüfft mit der damit erzeugten Dynamik.
"Someday" startet verhalten, baut eine immer mehr steigende Spannung auf, die im Titelsong beinahe beängstigend kulminiert, mit Somebody Poisoned The Well, einem klassischen Heartland-Rocker, nochmals Anlauf nimmt und sich im ersten "fröhlichen" Rock & Roll Gotta Be You entlädt.  Carillo bläst dabei eine Mundharmonika, die nahe an den wundervollen Magic Dick von der J. GEILS BAND heranreicht. 7nbsp;Das folgende The Way Out wäre früher die obligatorische Schlussballade der ersten LP-Seite gewesen.
Auf Seite 2 wiederholt sich das Spiel fast deckungsgleich.  Drei dichte, atmosphärische Grenzgänger zwischen Rock und Folk, dann das verschärft locker rockende Don't Get Sammy Started und zur Abrundung die drei Übersongs Burn The Whole House Down, The Blue Room und Glass Heroes.  Mindestens einer von denen sollte für einen Grammy nominiert werden.
Im Getümmel geht Andrew Carillo beinahe unter.  Das liegt natürlich an der Mannschaftsleistung, aber wenn man den verschiedenen Gitarrentönen endlich separat lauscht, wird man vom Wechsel zwischen Slide, Lap Steel, akustischer und elektrischer Gitarre umgeworfen.  Der Mann spielt Dinge, die man solcher Musik gemeinhin nicht zutraut, bleibt dabei aber immer bescheiden und drängt sich niemals in den Vordergrund.  Ganz starke Performance.
Wie gesagt, "Someday" ist kein Überflieger, der direkt beim ersten Durchgang Jubelarien auslöst, aber erstens wächst die Scheibe und zweitens setzt sie sich fest wie kaum eine andere des Genres.  Frank Carillo ist einer der besten Songwriter im zeitgenössischen Roots-Zirkus.  Hut ab!


For Additional Information, Interviews or CDs;  e-mail:  info@loritomgt.com  or visit:  www.loritomgt.com

BACK